Also, angefangen hat es hier in Biloxi, Mississippi, im tiefsten Süden der USA. Dort wurde ich geboren, und zwar am Columbus Day, 481 Jahre nach dem Tag, als Christopher Columbus nach zehnwöchiger Fahrt die Bahamas erreichte. Bis dahin bin ich nie gekommen, aber von Arizona, Utah, New Mexico und Nevada habe ich einiges zu sehen bekommen.
Mit deutscher Mutter und amerikanischem Vater (zu besichtigen unter www.pbase.com/busch) war ja schon genetisch vorprogrammiert, was aus dem Kind mal werden würde: nein, nicht schuhplattelndes Cowgirl oder Kaugummi kauende Paragrafenreiterin, sondern Kulturmittlerin der besonderen Art – Literaturübersetzerin.

Bis dahin musste ich allerdings noch eine weite Reise hinter mich bringen, um in einem winzigen Eifelnest in aller Ruhe groß und stark zu werden – was allerdings trotz der guten Eifelluft nicht allzu große Erfolge gezeitigt hat – zu mehr als 1 Meter 60 hat es nicht gereicht. Dafür gehe ich allerdings auch im größten Wald nur selten verloren, weiß aus erster Hand, dass Milch aus Kuheutern und nicht aus Tetrapaks kommt und kann einen Raufußkauz von einer Waldohreule unterscheiden.

Zur Schule gegangen bin ich auch, und zwar hier: Cusanus Gymnasium, Wittlich.
Und wohin zog es mich nach dem Abitur? In die große weite Welt? Pustekuchen! Ich entschied mich für eine Eliteuni der besonderen Art, wo die Profs ihre Studenten selbst in populären Studiengängen nach spätestens zwei Semestern mit Namen kennen – ich ging nach Trier. Zunächst wollte ich noch investigative Journalistin werden und sah mich schon als zukünftige Chefredakteurin der New York Times, doch nach einem Semester Politikwissenschaft entschied ich mich doch lieber für die Schönen Künste und ein Studium der Anglistik/Amerikanistik und Germanistik.

   

Den krönenden Abschluss fand mein Studium in der Magisterarbeit zum Thema „Dracula“ – die monatelange Auseinandersetzung mit spitzzahnigen Blutsaugern führte dazu, dass ich mir irgendwann einbildete, meine Eckzähne wüchsen …

Höchste Zeit also, sich mit was anderem zu beschäftigen, und da ich nach einem Praktikum in einem Münchner Kinderbuchverlag gemerkt hatte, dass ich als Lektorin recht ungeeignet bin (ich schreibe eben lieber selbst), beschloss ich, mutig jenseits des Weißwurst-Äquators mein Glück zu suchen. Im (mittlerweile leider eingestellten) zweisemestrigen Aufbaustudium „Literarische Übersetzung aus dem Englischen“ an der Ludwig-Maximilians-Universität in München lernte ich, dass es bei Weitem nicht genügt, zwei Sprachen perfekt zu beherrschen, um eine gute Übersetzerin zu sein.

   

Und obwohl einige der Dozenten uns gleich zu Anfang mit hilfreichen Ratschlägen wie: „Heiraten Sie einen reichen Mann, dann können Sie es sich leisten, Bücher zu übersetzen“ versorgten, war ich nicht so schnell zu entmutigen. Ich war überzeugt, meine Berufung gefunden zu haben.

Mit ein bisschen Glück bekam ich dann im März 2001 meinen ersten Übersetzungsauftrag vom Berliner Aufbau Verlag. Seither habe ich Sachbücher (über Barbie und Marilyn Monroe), Kunstbücher (zu den Themen Design, Fotografie und zeitgenössische Kunst) und Belletristik (Krimis, Thriller, historische Romane und immer wieder Chicklit) für Verlage wie Goldmann, Lübbe und Rowohlt übersetzt.

Wenn ich nicht gerade im stillen Kämmerlein hocke und stillvergnügt oder Haare raufend meiner Arbeit nachgehe (ich, mein Rechner und mein Wörterbuch …), kann man mich auf den Riehler Rheinwiesen beim Spaziergang mit meinen Hunden Henry und Glöckchen treffen (die sind gebürtige Spanier und über www.tiere-in-spanien.de ins Rheinland gekommen) oder auf den zahlreichen Kölner Flohmärkten (Termine unter www.koeln.de) beim Stöbern erwischen (bitte nicht ansprechen, ich gebe nur ungern Autogramme).
Wenn ich für die Außenwelt komplett abgetaucht bin, dann habe ich mich zum Lesen in ein ruhiges Eckchen verkrümelt (ja, ich lese auch in meiner Freizeit gerne und viel), lebe meine kreative Adern aus (mit Möbelrestaurieren oder Unkrautrupfen), koche oder tue gar nix (kann ich am allerbesten!).

Retterbush über Retterbush: „Ich bin die einzige Übersetzerin, die ich kenne, die keine Fremdsprachen kann.“